Geschäftsbericht 2009

Geschäftsbericht 2009

Jahresabschluss

Jahresabschluss 2009

Im letzten Geschäftsjahr vor Einführung des Gesundheitsfonds 2008 hatten wir das beste Ergebnis in der über 120-jährigen Unternehmensgeschichte zu verzeichnen und Ihnen darüber in der Ausgabe 12009 unserer Mitgliederzeitschrift regional:optimal berich­tet.

Das erste Geschäftsjahr unter den Bedingungen des Gesundheitsfonds im Jahr 2009 verlief für die BKK Scheufelen trotz der gänzlich neuen Finanzarchitektur im Gesundheitssystem und den daraus folgenden Un­wägbarkeiten durchaus positiv. Wir konnten das Er­gebnis gegenüber 2008 nochmals verbessern und er­neut beweisen, dass wir trotz teilweise erheblichen Kostensteigerungseffekten im Bereich der gesamten gesetzlichen Krankenversicherung zu den finanzstärksten Krankenkassen in Deutschland überhaupt gehören.

Diese Einschätzung wird vom Spitzenverband Bund der gesetzlichen Krankenkassen unterstrichen: Die BKK Scheufelen gehört innerhalb dessen sogenannten vierstufigen „Gefährdungsindex" zu der Spitzengruppe mit dem Prädikat „leistungsfähig". In diesem Segment sind von 163 gesetzlichen Krankenkassen weniger als 40 Kassen angesiedelt.

Mit Einführung des Einheitsbeitragssatzes zum 1 Januar 2009 wurde uns leider ein wichtiges Wettbewerbsmerkmal durch den Gesetzgeber genommen. Dies haben wir nach kontinuierlichem Wachstum der vergangenen sechs Jahre in der Versichertenentwicklung leicht negativ zu spüren bekommen. Bereits seit Ende des Jahres 2009 ist jedoch wieder ein deutlicher Versichertenzuwachs zu verzeichnen. Allein im ersten Halbjahr 2010 konnten über 1.300 neue Versicherte bei der BKK Scheufelen begrüßt werden.

Versichertenentwicklung2009

Geschaeftsbericht_2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verteilung_GKV_BKK_Scheufelen2009

Am 27. Mai 2010 bestätigte der unabhängige Prüfer, welcher mit der Prüfung der Ergebnisse der Jahresrechung 2009 beauftragt war: „Die Jahresrechnung ist in sachlicher, formaler und rechnerischer Hinsicht richtig und vollständig aufgestellt. Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt." Ein Ergebnis, das sich – so meinen wir - sehen lassen kann.

Unbenommen dessen möchten wir auf einzelne Positionen noch etwas spezifischer eingehen. Der Systembruch von 2008 auf 2009 durch die Einführung des Gesundheitsfonds spiegelt sich auch in der Darstellung des Rechnungsergebnisses wieder: Statt wie in der Vergangenheit üblich, können Sie der Übersicht entnehmen, dass wir über keinerlei Beitragseinnahmen mehr verfügen. An deren Stelle sind - wenn man so will, als Haupteinnahmequelle - die „Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds" getreten. Der eine oder andere wird sich jetzt sagen oder fragen: Aber ich bezahle doch nach wie vor meine Beiträge an die BKK Scheufelen!? Richtig - diese „gehören" uns aber nicht mehr, sondern müssen von uns taggleich an den Gesundheitsfonds überwiesen werden. So gesehen stellen die Beitragseingänge eine Position dar, welche wir nur noch für ein paar Stunden auf dem Girokonto treuhänderisch verwalten, bis sie nach Berlin weitergeleitet werden. Ein durchlaufender Posten also in Höhe von zirka 140.000.000 Euro.

Oder anders herum ausgedrückt: Von einem Euro, der von unseren Versicherten bei uns ankommt, bleiben gerade einmal 50 Cent in Form der Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds bei uns hängen.

Die Verwaltungskosten sind grundsätzlich immer zu hoch. Keine Frage. Allerdings liegen wir (- 16 %) deutlich unter den durchschnittlichen Verwaltungskosten innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese betrugen im Jahr 2009 rund 174 Euro je Mitglied, Wenn gespart werden kann, wird selbstverständlich auch gespart, Allerdings muss man an dieser Stelle auch achtgeben, dass man das Kind nicht mit dem Bade ausschüttet, Abrechnungsprüfungen, Kundenservice und die Bereitstellung vielfältiger Produkte rund um die Gesundheit, um nur einige Schwerpunkte beispielhaft zu nennen, erfordern einen gewissen Mitteleinsatz, Die betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise erkennt: Wichtig ist, was unter dem Strich dabei herauskommt - in diesem Fall ein gutes Gesamtergebnis.

Das obenstehende Schaubild verdeutlicht einige zentrale strukturelle und unternehmensstrategische Besonderheiten der BKK Scheufeten. Einerseits sind in manchen Leistungsbereichen die Ausgaben - zum Teil sogar deutlich - höher als im Kassendurchschnitt (z. B. ärztliche und zahnärztliche Behandlung, Prävention  und Früherkennung). Andererseits stehen dem signifikante Minderausgaben gegenüber (insbesondere Krankenhausbehandlung und Arzneimittelausgaben). Diese Konstellation ist die langfristige Folge zweier grundsätzlicher Überlegungen der Kassenverwaltung hinsichtlich der Unternehmensphilosophie:

1.)    Intensives Kosten- und Vertragsmanagement in den Hauptleistungsbereichen Krankenhaus und Arzneimittel.

2.)    Vorsorge und Früherkennung geht vor Rehabilitation sowie die Befolgung des Grundsatzes "ambulant geht vor stationär"!

Also weg vom klassischen „Reparaturbetrieb" – das Geld scheint mittel- und langfristig gut angelegt zu sein, indem der Schwerpunkt der Versorgung darauf gelegt wird, Krankheiten vorzubeugen oder zumindest frühzeitig zu erkennen. Darüber hinaus stehen in vielen Fällen ambulante Versorgungsformen zur Verfügung, die konzipiert sind, eine teure stationäre Behandlung im Idealfall vermeiden zu können.

Bei allen betriebswirtschaftlichen Anstrengungen der Kassenverwaltung zur Kostenoptimierung muss jedoch auch an dieser Stelle einmal klipp und klar gesagt werden: Im Ergebnis funktioniert dies erst, wenn die Versichertengemeinschaft diesen Kurs mitträgt und die Angebote und Möglichkeiten auch annimmt. Dies scheint bei der BKK Scheufelen zum großen Teil der Fall zu sein.

Das Beste kommt wie fast immer zum Schluss...

Anhand des letzten Schaubildes wird der nachhaltige und vor allen Dingen der gemeinsame Erfolg von Versichertengemeinschaft und Kassenverwaltung bei der BKK Scheufelen deutlich. Unser Pro-Kopf-Vermögen konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf- und ausgebaut werden. Es gibt vermutlich keine zehn für die Allgemeinheit zugänglichen Kassen in Deutschland, die neben uns auf diesem hohen Niveau anzutreffen sind. Der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass das hier dargestellte Ergebnis streng nach dem Gebot kaufmännischer Vorsicht ("Niederwertsprinzip") ermittelt und nicht zum Zwecke einer schönen Außendarstellung der letzte Euro aus den Zahlen herausgequetscht wurde.

Wir werden selbstverständlich auch weiterhin alles daran setzen, den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiterzugehen, das betriebswirtschaftliche Spannungsfeld zwischen Kostenminimierung und Leistungsmaximierung im Sinne unserer Versicherten zu optimieren. Und dafür kämpfen, dass der Ertrag dieser Bemühungen auch dort ankommt und verbleibt, wo er hingehört: bei unseren Versicherten.

Wolfgang Allgaier
Stellvertretender Vorstand
Unternehmensentwicklung